Zugegeben, es ist ein kleines Experiment. Nach drei schönen, ereignisreichen Tagen in Warschau und einem herzlichen, lautstarken Abschied steigen Bastian und ich in das Transportvehikel unserer Wahl – den Bus. Preislich mit 13 Euro unschlagbar, liegen nichtsdestotrotz 10 Stunden nächtliche Überlandfahrt Richtung Berlin vor uns. Direkt im Anschluss geht´s für mich zum Job. Ich bin skeptisch und frage mich, ob die knapp 30 Euro für den schnelleren, komfortableren Zug nicht vielleicht doch gut investiert gewesen wären.

Der erste Eindruck ist allerdings positiv: Sitze in Lederoptik, Stromanschluss, W-Lan. Also lehne ich mich zurück, schalte den Laptop ein und sehe die Lichter des nächtlichen Warschaus an mir vorüberziehen. So weit so gut.

Kurz nachdem wir Polens Hauptstadt verlassen haben beginnen die ersten Zipperlein. Meine Knie schließen mit dem Vordersitz ab, ich fühle mich wie eingeschweißt. Gut, ich bin groß gewachsen. Das mag auch erklären, wieso ich die Toilettenkabine an Bord nur eingeschränkt nutzen kann. Einmal reingezwängt, bekomme ich kaum die Tür hinter mir zu, so winzig ist sie.
Glücklicherweise sind die Sitze neben mir leer, deshalb breite ich mich aus und versuche zu schlafen. Zumindest zeitweise muss ich eingenickt sein, denn ich werde plötzlich wach, weil es so still ist. Kein Busfahrer, der Bus steht, Motor ist aus, die Tür auf. Müde tappe ich nach draußen, stehe an einer nebligen Geistertankstelle an einer Bundesstraße in der Mitte von Nirgendwo.

Aha, eine Pause. Zeit nachzuzählen, ob noch alle meiner Gräten dort sitzen wo sie hingehören, denn mein Rücken sendet langsam Warnsignale aus. Mal kurz Mails checken. Nanu, das W-Lan scheint an der polnischen Grenze den Job an den Nagel gehängt zu haben. Also weiter vor mich hindämmern auf meinen drei okkupierten Sitzen.
Überraschend schnell taucht Berlin auf, schön sieht es aus mit seiner Morgensonnen- Skyline. Ich recke mich und strecke mich und bin mir sicher – die Zeit der Busfahrten ist vorbei für mich, unschlagbarer Preis hin oder her. Wäre der Bus voll ausgebucht gewesen hätte ich 10 Stunden auf meinem Sitz mit minimalem Spielraum zubringen müssen. Die Variante mit den drei Sitzen war auch nicht der Brüller. Es stimmt: Ich werd zu alt für so’n Scheiss.
Bastian juckt das nicht. Er ist Busfahrtfan von nun an. Vielleicht lag es aber auch nur an dem Mandelvodka mehr, den er vor der Fahrt getrunken hat…
[Lennart Meyer]